Ich, Norbert Kopytziok (Jg. 1954), verweigerte den Wehrdienst und entzog mich durch anhaltendes Studieren der Einberufung. Allerdings bestand mit 26 Jahren die Gefahr zwangseingezogen zu werden. Aus diesem Grund „flüchtete“ ich im Oktober 1980 aus dem damaligen Westdeutschland nach West-Berlin. West-Berlin war damals eine entmilitarisierte Zone in der die Bundeswehr keinen Zugang hatte. Hier engagierte ich mich zunächst in der Interdisziplinären Projektgruppe für Angepaßte Technologie (IPAT) der TU-Berlin und im Gesundheitsladen im Mehringhof. Kurze Zeit später gründete ich eine Recyclinggruppe im Ökodorf. Das „Ökodorf“ war kein Dorf in der Stadt, sondern ein selbstverwaltetes Kommunikationszentrum in einer Fabriketage in der Kurfürstenstraße 14 im Bezirk Berlin-Tiergarten. Anfang der 1980er Jahre war die Zeit der Hausbesetzungen, ein Kampf gegen Immobilienspekulation. Dabei wurden zahlreiche Häuser bewußt nicht saniert. Sie wurden dem Verfall preisgegeben um nach deren Abriß hochpreisige Wohnungen errichten zu können. Das Nachsehen hatte die finanzschwache Berliner Bevölkerung, die kaum noch einen bezahlbaren Wohnraum erhielt.
Ich wohnte damals in einer 1-Zi.-Wohnung mit Kachelofen, Kaltwasser, Außentoilette ohne Bad und Dusche für monatlich 80 DM Miete im Seitenflügel der Sonnenallee 38 in Berlin Neukölln. Diese Wohnsituation war damals für junge Menschen, Studierende und ältere Menschen nicht ungewöhnlich.
Bereits in den 1970er Jahren wurde das Hausmüllaufkommen öffentlich problematisiert. Als Lösung galt die Altstoffsammlung mit der Wiederverwertung. In Anlehnung an die etablierten Altpapier- und Altmetallsammlungen wurde nun auch ein Sammelsystem für Altglas eingerichtet. In der Recyclinggruppe im Ökodorf tauschte sich eine kleine Gruppe junger Menschen, darunter Barbara Wirth, Olaf Elsholz und ich, Anfang der 1980er Jahre über das Für und Wider dieser Maßnahmen aus. Darüber hinaus initierten wir einen überregionalen Austausch von Umweltgruppen in ganz (West-)Deutschland. Zunächst machten Barbara Wirth und ich eine Rundreise durch Deutschland und besuchten zahlreiche Umweltgruppen. Anschließend gründeten wir einen „Recycling-Rundbrief„, in dem verschiedene Gruppen ihre Themen und Erkenntnisse zum Abfallthema veröffentlichten. Es entstand die Erkenntnis, dass Recycling alleine nicht ausreicht, um die mit dem Müll in Verbindung stehenden Probleme zu lösen. Simone Martzloff und ich fertigten kurzer Hand eine Müllausstellung aus Müll, die wir im Ökodorf Berlin 1983 zeigten. Gerhard de Haan inspirierte diese Ausstellung zur Nachahmung und formulierte eine pädagogische Anleitung unter dem Titel „Bilder einer Ausstellung“ in Ökopäd – Zeitschrift für Ökologie und Pädagogik, Jg. 3 (1983), Heft 3/4.
Barbara Wirth und ich führten zuvor in Berlin die Aluminiumsammlung ein und verbanden diese Aktion mit der Aufklärung über die Bedeutung der Vermeidung von Abfällen. Doch das gelang nicht – wir stellten unsere Aluminiumsammlung konsequenterweise öffentlichkeitswirksam ein.
Um einen effektiveren Beitrag zum Umweltschutz leisten zu können, luden wir deutschlandweit alle an der Vermeidung von Afällen engagierten Personen/Gruppen nach Berlin zum Ersten bundeweiten alternativen Müllkongress ein. Er fand vom 28. bis 30. Oktober 1983 in der selbstverwaltenen Schule für Erwachsenenbildung (SFE) im Mehringhof statt. Dort wurde u.a. das „Institut für ökologisches Recycling“ IföR gegründet. Mit diesem Institut sollten die Wege ausfindig gemacht werden, wie sich ein Leben ohne Müll realisieren, oder mindestens unnötiger Abfall vermeiden lässt. Kurze Zeit später führten wir die Vortragsreihe „Alternativen zum Müll“ ein. Von Mai 1984 bis Dezember 1990 gab es an jedem ersten Montag im Monat einen Fachvortrag zum Thema Müll im Berliner Ökodorf.
Damit waren die Grundlagen für eine professionelle Arbeit zur Vermeidung von Abfällen geschaffen. Die dann erfolgten Arbeiten sind hier unter „Umweltwissenschaften“ dokumentiert.